Mittwoch, 5. Juni 2024

Weltretter brauchen ein Publikum, dass die Grundidee des Historizismus geschluckt hat

Geschichten erzählen, die einen als Weltretter dastehen lassen, das ist natürlich die Kern-, wenn nicht einzige -Kompetenz aller aktuellen Politiker.

Das funktioniert natürlich nur gut, wenn das Publikum im großen und ganzen die historizistische Grundidee geschluckt hat, dass Politiker Gesetze erkannt haben, die es ihnen ermöglichen die Zukunft gesellschaftlicher Entwicklungen vorherzusagen.

Daraus ergibt sich dann schnell die Situation, dass nicht unsere Ideen der Welt, bzw nicht unser Umgang miteinander als Problem in den Blick kommen, sondern es werden schlicht Gruppen als Problem identifiziert, die diese Vorhersagen nicht mitgehen. Denen wird dann "logischerweise" zugeschrieben, dass sie das Problem seien, weil sie eben durch ihr tun die Problemlösung verhindern. 

Die politische Parole zur Verbesserung der Welt wird dann schnell ein Kampfaufruf gegen Personen oder Gruppen, die etwas anders sehen und deswegen letztlich zur Bedrohung werden.

Letztlich liegt dem übrigens eine Idee einer "auserwählten", bzw überlegenen Gruppe zu Grunde, die Kriterien entdeckt haben, zu denen man die anderen letztlich zwingen muss. (Vgl Popper, K. - Die offene Gesellschaft und ihre Feinde) (Post zu RePost auf X)

Sonntag, 26. Mai 2024

döp döp dödödöp, Das Private ist so politisch.

"Also diese Sylt-Szenerie, die ist ja in jeder Hinsicht daneben und abscheulich.

Weil, das ist die Elite des Landes, das sind die reichen jungen Kinder, die scheinbar in ihrer Erziehung nicht gelernt haben, dass man nicht gegen andere Menschen, erst Recht, die unter ihnen stehen, hetzt. 

Die haben aber ihren Preis bezahlt. In kürzester Zeit waren alle Namen öffentlich, sie haben alle ihren Job verloren und ich glaube als Gesellschaft müssen wir darauf achten, dass das bei allen diesen Vorfällen gilt.

Dieses Grundgesetzfeiern ist überschattet worden, hier an der Humbolt Uni, durch antisemitische Vorgänge, wo die Uni Präsidentin lange überhaupt nicht reagiert hat und erst eine Anweisung brauchte. Dann haben wir diese Kalifatsforderung gehabt. 

Und da wünsche ich mir, dass man genauso jeden einzelnen versucht zu bestrafen, der antisemitisch, der rassistisch und der anders ist." (Laschet, bei Bericht aus Berlin auf X)


Also ich weiß nicht, was das mit Euch macht, aber ich weiß garnicht wo ich anfangen soll.

Die Elite des Landes? gegen Menschen, die unter ihnen stehen? Die haben jetzt alle wegen abscheulicher Grölerei ihren Job verloren. Das soll am besten gesellschaftlicher Standard werden, wenn Leute abwegige Sachen sagen?!

Es ist nicht allzulange her, dass sich alle zu Recht über Flak-Rheinmetall aufregten, weil sie den "Weiß ihr Arbeitgeber, was sie hier machen?" gebracht hat, um jemandem quasi privat wirksame Denunzierung, wegen seiner politischer Äußerungen in Aussicht zu stellen. 

Krasser, beängstigender Shice, wenn Politiker so einen gefährlichen BS reden. 

Laschet nutzt hier die Gelegenheit und schiebt das Denunzierungsding subtil eine Normalisierungsstufe weiter. Und alle so: Yeeeaaaahhhh!

Der Staatsschutz sieht das ja nun seit nicht langer Zeit bei stärker abweichenden Positionen auch anonyme Denunzierung beim Arbeitgeber als legale Maßnahme vor. Das passt immerhin in dieser Hinsicht ins dS Große Bild, das sich da vor uns auftut. Aber Leute, das kann doch nicht sein!

Diese "Das Private ist politisch"-Attitüde ist nicht nur ekelhaft, sondern auch rechtsstaalich bedenklich, wenn der private Raum, von unbekannten normalen Bürgern kein geschützter Bereich mehr ist, sondern Aussagen, Mitsingen, besoffen mitgröhlen oder was auch immer im Nachhinaein (je nach Medienlage) aus politischen Gründen in den privaten Bereich hinein verfolgt werden. 

Das Private soll scheinbar so politisch werden, dass unbekannte private Leute ihren Job verlieren sollen, wenn sie auf privaten Parties das falsche Assizeug gröhlen. Und dass es völlig ok ist, dass irgendwelche kleinen privaten Spinner von Medien und Politikern zum Negativpolitikum stilisiert werden und symbolisch als Negativbeispiel der Gesellschaft durch das Dorf getragen werden. Leute, geht's noch? Da muss doch bei jedem was klicken.

Letztlich können wir dann irgendwann auch geheime Wahlen und den kompletten Rechtsstaatsbums abräumen, weil das politische ja immer durch das Private bedroht sehen kann. Und wenn das Private politisch ist, dann besteht ja quasi auch ein (Schutz)Anspruch auf eine Öffentlichkeit des Privaten.

Es sieht alles sehr dystopisch aus.

Sonntag, 19. Mai 2024

Gesinnungsethische Propaganda

"Ich bin zu 1000% gegen rechts und die AfD" Lena Meyer-Landrut im SPIEGEL-Interview. (Dazu gibt es ein Bildzitat auf X, auf das ich reagiert habe.)

Diese Art von PR zeigt in so vielen Hinsichten ein Weltbildproblem der Gesinnungsethik-Bubble.

Dass 1000% hier logisch keinen Sinn macht deutet schon das Verhältnis zur Logik dieser Bubble an. Es deutet aber auch einen weiteren Aspekt an. Impliziert wird die Vorstellung, dass die Stärke des individuellen Dagegensein ein valider politischer Wert im Kampf für das Gute ist und je mehr, bzw stärker man seine Ablehnung äußert, desto besser ist es.

Dieses Hochstilisieren von völlig inhaltsleerem Dagegenseins zur validen politischen Kommunikation, bzw solch Moralisieren von Mitteilungen ist extrem häufig geworden. Verwunderlich, weil es eigentlich eine extrem plumpe Strategie auch und gerade von Rechten und Autoritären ist.

Gesinnungsethisch orientierten Menschen, also jenen die ein gutes Ziel in der Zukunft haben und auf dem Weg zu diesem Ziel die Nebenwirkungen der Zielerreichungen aus ihrer Sicht nicht verantworten müssen, weil diese Nebenwirkungen ja nur notwendige Abwehrreaktion auf das Böse und so Schuld des Bösen sind, diesen Gesinnungsethisch orientierten Menschen scheint es eine communityartige gegenseitige Bestätigung zu geben, wenn sie sozusagen ein möglichst abstraktes, hoch generalisieres Feindbild proklamieren. Deswegen wahrscheinlich auch die vielen Wahlplakate unterschiedlicher Parteien, die für sich werben, indem sie sich einfach stumpf nur gegen "die Bösen" aussprechen. Weil wohl davon ausgegangen wird, dass das Publikum weitumfänglich in einem gesinnungserhischen Weltbild angekommen ist, dass ja seit Corona den Menschen in einer unfassbaren medialen Allgegenwärtigkeit vorgeführt, ja geradezu eingeprügelt wird.

Das Stärken von Gesinnungsethischer Logik ist natürlich auch wichtig, weil Corona/Kriegspropaganda damit arbeitet und mit der richtigen medialen Berichterstattung in diesem Schema kann man so sehr schnell weitreichenden "Konsens" mobilisieren, der die Menschen letztlich dazu bringt sich direkt gegen den Mitbürger zu wenden, wenn der Mitbürger als "böse" Bedrohung dargestellt/wahrgenommen wird. Insofern war Corona auch eine gute psychologische Vorbereitung des Publikums auf ein gesinnungsethisches Schema, dass ohne Inhalte funktioniert und in dem auch ein Angriff von Außen, leicht und reibungslos weiter beobachtet werden kann.

Samstag, 11. Mai 2024

Wie Disclaimer die Kommunikation verstopfen

Jemandem vorzuwerfen er habe etwas nicht gesagt (also keinen verbalen Disclaimer mit eingefügt) und deswegen müsse man seinen Versuch etwas auszudrücken ablehnen ist eine seltsame Art und Weise einer diskreditierenden Unterstellung, die eine sachliche Stellungnahme zum Inhalt des konkreten Mitteilungsversuch des anderen unnötig rendert.

Nachdem die Profile mittlerweile voll sind mit quasi symbolischen Disclaimern füllt sich nun die verbale Sprache mit derartigem Bullshit, bzw die entsprechende Erwartungen an Gespräche werden "kultiviert". Viel Kommunikation bestehen eigentlich nur noch aus Disclaimern und anderen Virtuesignalling-Fellpflegeverhaltensweisen und ist entsprechend von inhaltlicher Auseinandersetzung so weit entfernt, wie es nur geht.

Sonntag, 28. April 2024

Postaufklärerische Politik. Oder: Durch Gaslighting und Fearmongering in die Gesinnungsethik.

"Die Hauptaufgabe der sozialistischen Medienschaffenden besteht darin, den Menschen ihre Alltagserfahrungen auszureden." @ActaKlonovsky auf X

Unabhängig davon ob von sozialistischen oder nicht, das ist natürlich notwendig. Denn wenn es erstmal geschafft ist den gesunden Menschenverstand gegen die Alltagserfahrungen in die Knie zu zwingen, dann kann die dadurch entstehende Verwirrung, die Unsicherheit, bzw der aufkommende Orientierungsbedarf genutzt werden, um den Menschen die Idee nahezulegen, dass es besser sei den Experten zu glauben als sich selbst.

Dann braucht man nur noch Experten, die die Leute mit selektiven Informationen zu einer entsprechenden Gesinnungsethik motivieren.
Das läuft in etwa nach dem Muster:

- Die Welt/Gesellschaft ist vom Untergang durch das böse/schlechte bedroht. 
- Wir sind die Guten, die den Untergang nur abwenden können, wenn unsere Regeln befolgt werden.
- Wenn Menschen die Regeln nicht befolgen, oder die Regeln oder uns kritisieren, dann bedrohen diese damit das Abwenden des Untergangs. Entweder sind diejenigen dann natürlich selbst böse oder einfach auf irgendeine Weise gehandicapt. 
- So oder so bedrohen sie die Existenz aller und sind deswegen mit harten und konsequent eingesetzten Maßnahmen davon abzuhalten. 

Einmal etabliert muss durch die regelmäßig auftretenden Experten dann nur noch das Narrativ des Welt/Gesellschaftsuntergangs, durch das Fehlberhalten "der Falschen" stabilisiert werden.

Dann sollte bei Entscheidungen "der Richtigen" relativ wenig Widerspruch aufkommen.

Mittwoch, 27. März 2024

Warum die AffenfD für die alten Parteien nützlich ist

Es ist ein denkfaules & dysfunktionales Verhalten, wenn man mit einem Muster (wie zB in der Politik das alles immer Schönreden von BS) nicht weiterkommt, es aber weiter bedienen möchte, dann Muster vorzustellen, die im Effekt noch desaströser sind und mit diesen dann als Alternative zu "drohen".

In diesem Sinne sind die AffenfD richtig gehend nützlich für die traditionellen Parteien.

Sonntag, 17. März 2024

Wie Gesinnungsethik Verantwortungsethik desavouiert.

"Schulen sind aus Sicht von Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger in der Verantwortung, junge Menschen auf den Kriegsfall vorzubereiten."

Ich will das alles nicht glauben. Ich will nicht glauben, was die Propagandamaschine macht und vor allem womit sie durchkommt! Aber man muss es glauben, weil es vor unseren Augen passiert. 

Haben wir bzgl unserer Schulen nicht ganz real viele andere Probleme?! 

Ja, aber mit schierer Dauerpenetration mit moralinsaurer Gesinnungsethik lässt sich das offensichtlich alles relativ zügig in den Hintergrund drücken und eine Art right-or-wrong-my-country-Stimmung entsteht, in der dann Sprüche wie "whatever it takes" verfangen und eine Verantwortungsethik, die die Konsequenzen des eigenen Handelns mit ins Kalkül nimmt, in der Form einer Art Dolchstoßlegende als verräterisch abgelehnt wird.

Es ist zum verzweifeln wie perfide und mächtig die Kontrolle der Öffentlichen Meinung ist.