Wenn man das Fermi-Paradox löst, indem man annimmt, dass die Menschheit das erste intelligente Leben im Universum ist, dann steht man bei der Beurteilung der Aussterbewahrscheinlichkeit durch KI vor der Tatsache, dass wir quasi eine sich ausbreitende Technozivilisation starten, die das Universum schneller in was auch immer verwandelt, als biologisches Leben hinterherkommt.
Selbst wenn die Menschheit nicht das erste intelligente Leben im Universum ist, KI und die so denkbare sich schließlich selbst reproduzierende und anpassende Technozivilisation ist eine Bedrohung für alles Leben im Universum, weil sie – einmal in Gang gekommen – absurd viel schneller operieren und sich ausbreiten kann als biologische Intelligenzen.
Im Prinzip bleibt Biologie aus der Perspektive einer Technozivilisation eventuell als „Von-Neumann-Sonden“ interessant, mit denen man in gewaltigem Umfang eine Art Panspermie-Modus zur Verbreitung benutzen kann – wissend, dass Biologie unter den richtigen Bedingungen der Bootloader für einen Technozivilisations-Außenposten wird, der letztlich dann allen anderen Außenposten entgegenkommt.
Die Frage wäre: Warum biologische „Von-Neumann-Sonden“ zur Ausbreitung im Universum und nicht technischen Sonden, wenn technische Selbstreproduktion einmal durch Biologie initiiert wurde und somit eine Technozivilisation existiert, die technische Sonden herstellen kann?
Eine Antwort könnte lauten: Natürliche, biologische Selbstreproduktion bleibt zur Ausbreitung über Äonen und milliarden Lichtjahre die robusteste und effektivste Methode, weil sie letztlich selbstorganisiert zur Selbstreproduktion gelangt und damit robuster und zuverlässiger ist. Biologische Systeme können sich ohne externe Hilfe auf allen Ebenen mehr oder weniger überall rekonstruieren und entfalten. Sie sind und bleiben voraussetzungsarm evolutionsbereit und fähig,
Bei Strukturschäden kann biologische Selbstreproduktion ihre Funktion aus sich selbst heraus rekonstruieren – etwas, das technische Systeme vielleicht nie erreichen so erreichen können. Denn die erste Ebene der Selbstreproduktionsfähigkeit bzw. -funktion entsteht bei einer nicht biologischen Selbstreproduktion nicht selbstorganisiert, sondern sozusagen fremdorganisiert, sie muss initial durch bereits existierende biologische Wesen angeworfen werden.
Technische Selbstreproduktion – also Systeme, die sich nicht direkt aus den sowieso mehr oder weniger überall im Universum gegebenen, voraussetzungsarm rekonstruieren bzw. unter den richtigen Bedingungen selbst organisieren können – könnten über Milliarden Jahre und Lichtjahre prinzipiell unzuverlässiger sein, weil ihnen bzw. ihrer Funktion eben die primäre Selbstorganisationsebene fehlt.
Eine zweite – etwas steilere, die erste Antwort eigentlich nur ergänzende – Antwort könnte lauten: Biologische Von-Neumann-Sonden zur Ausbreitung im Universum könnten einen sensibleren bzw. differenzierteren Umgang mit sonst im Universum entstehendem Leben ermöglichen. Sie könnten als Teilnehmer derselben biologischen Evolution (und ggf. ökologischen Nische) anderem Leben eine gewisse natürliche Chance lassen, sich durchzusetzen. Eine Ausbreitung würde so nicht zwangsläufig allem anderem sich entwickelnden Leben den Garaus machen, bzw ihnen den Planten wegnehmen.