Montag, 17. Juli 2017

Babys, Autos und CO2

Dass Zeitungsartikel, Fernsehsendungen ünd ähnliches regelmäßig zu multiplen Facepalms veranlassen ist nichts besonderes. Nur dieser Artikel hier:
http://www.stern.de/panorama/wissen/umweltstudie---20-bmw-schaedigen-das-klima-weniger-als-ein-baby-7539938.html
verstört mich in so vielen Hinsichten mehr als der Durchschnittsartikel, dass ich mich entschieden habe in diesem kleinen Text hier, meine erste Verstörung etwas zu sortieren, sonst bekomme ich meine Hand nachher garnicht mehr aus dem Gesicht.

Die Überschrift lautet "20 BMW schädigen das Klima weniger als ein Baby" und der Artikel massiert diese Message einfach nur weiter ein. Vgl. bspw.

"Ich habe keine Kinder, aber ich beschäftige mich mit der Entscheidung und spreche mit meinem Verlobten darüber. Der Klimawandel wird sicher ein Faktor unserer Entscheidung sein, aber nicht der einzige...."

... ist doch klar: dann lieber einen BMW, der ist besser für das Klima! Wenn man drüber nachdenkt: Vielleicht wäre es wirklich besser für die Menschheit, würden Menschen, die so denken lieber einen BMW kaufen statt sich fortzupflanzen. Der Shice bringt mich echt in jeder Hinsicht an die Grenzen ertragbarer Pointen.

Nachdem ich dann feststellte, dass es kein Artikel des Postillon ist dachte ich zunächst: Man darf garnicht auf so einen Artikel reagieren, weil man dann irgendwie irgendetwas in diesem Artikel doch noch sinnvoll aussehen lassen könnte.
Sagt man beispielsweise: "Ja, aber man kann doch nicht Babys mit Autos vergleichen", "Babys sind doch viel wichtiger", so könnte man auf die Idee kommen Babys und Autos auf einer entsprechenden Wichtigkeitsskala zu positionieren. Und wenn man dann Babys wichtiger als Autos plaziert, dann ist man den Vergleich immernoch mitgegangen und erhält die Unterscheidungen. Unterscheidungen, die gleichzeitig implizieren, dass z.B. das Problem von Ölautos auf den CO2 Ausstoß reduziert werden kann.

> Autos stossen CO2 aus.
> Menschen stoßen CO2 aus.
> CO2 = Das Problem für das Klima.
= Menschen sind wie Autos ein Problem für das Klima.

Autos stossen übrigens für Menschen noch deutlich üblere Stoffe aus als CO2.
2015 sind ca. 7000 Menschen in Deutschland (tendenz steigend) nicht am CO2-Austoß der Autos, sondern durch deren Feinstaub- und Ozon-Austoß gestorben, das wird sozusagen als Problem der Ölautos wegimpliziert. (https://www.welt.de/gesundheit/article146534810/Mehr-Tote-durch-verpestete-Luft-als-durch-Unfaelle.html) Aber naja...Menschen können auch CO2-freie Autos bauen. Autos können (zumindest noch nicht) CO2-freie Menschen bauen. Mehr will ich garnicht auf den Scheiß eingehen.

Man munkelt auch es gäbe noch andere Stoffe die richtig übel für "das Klima" sind und noch viele andere Faktoren existent sind, die das Klima ungünstig beeinflussen. Z.B. dass mindestens 30 Jahre 20ha/min von diesen Dingern abgeholzt werden, die CO2 in Holz & O2 verwandeln & dabei H2O in die Luft abgeben. Aka Regenwald.... Naja...

Ich kann nicht aufhören mich zu fragen wer solche Unterscheidungen - und warum - so in einen Artikel in Anschlag bringt. Der Stern ist ja nicht das einzige Mainstreammedium, dass sich nicht zu blöde ist so eine Message und die damit verbundenen Implikationen in die Lebenswelt Ihrer Leser zu tragen. (http://www.independent.co.uk/environment/children-carbon-footprint-climate-change-damage-having-kids-research-a7837961.html)

Beide hier referierten Artikel beziehen sich auf eine "wissenschaftliche Studie". Amerikanische Wissenschaftler haben rausgefunden ... Die Frage ist echt nur wo raus?
Warum merken die Autoren denn nicht wie sie sich intellektuell bloss stellen? Oder: Was merken solche Autoren denn überhaupt noch? Und wenn die Autoren schon nichts mehr merken, was ist die Message die Redaktionen damit im Rahmen ihrer journalistischen Verantwortung den Menschen mitgeben möchte? Oder merken Autoren und Redakteure was sie da tun und schreiben es trotzdem?Und was würde wiederum das bedeuten?
Warum lacht nicht 100% der Bevölkerung den Stern einfach nur noch aus oder dreht sich beschämt weg.

Ich weiß es alles nicht. Vielleicht können manche auch zwischen Arbeit und Fernsehabend sich so noch dabei helfen lassen Ihre Investition in ein Ölauto zu rationalisieren nach dem Motto. Warum kein Ölauto? Babys sind doch viel schlimmer für das Klima! Ich weiß es alles nicht und ich bin kurz davor es auch nicht wiklrich wissen zu wollen. Was ist das für eine Welt, in der solche Ansagen durch relevante Medien in die Lebenswelt der Menschen hineinmassiert werden.

Wenn auch dafür natürlich kein durchgeknallter Philosophie-Student aus der Propagandaabteilung der Ölauto-Lobby zuständig war.... Die eigentliche Frage ist: Was sagt das über Autoren, Redakteure und Leser, die sowas lesen und schreiben und sich dabei erst nehmen?

Mittwoch, 8. März 2017

Ein paar lose Gedanken zu Vertrauen und Medienepochen

Vertrauen im Vorschuß, das uns ermöglicht Erwartungen zu behandeln, bzw. zu testen und so für weitere Erwartungen Unsicherheit zu absorbieren.

So erschließt Vertrauen Möglichkeiten zu lernen. Im Vorschußvertrauen, in das Ungewisse hinein werden Risiken eingehbar. Man legt es auf Erwartungsenttäuschung an und kann aus den Erfahrungen lernen.

So kann man gesellschaftlich beobachten: Das Kultivieren von Erwartungen und deren Tests in Bezug auf einen Gewinn an Orientierungsmöglichkeiten variiert mit den bekannten Medienepochen der Gesellschaft. Dabei geht es um Vertrauensgrundlagen in gewisse kulturelle Praktiken, die mit dem dominierenden Medium in der Gesellschaft variieren (Baecker, D. (2015) Designvertrauen).

Mündlichkeit - Magie - Stämme - Stammesgesellschaft
Schrift - Götter - Schichten - Hochkultur
Buchdruck - Technik - Funktionssysteme - Moderne
Elektronische Medien - Design - Netzwerke - Nächste Gesellschaft

Je mehr die Sozialdimension von Sinn berücksichtigt wird, desto mehr fällt auf, dass präskriptiv ansetzende Erwartungen zu kurz greifen. Der Gestaltungsspielraum wird quasi negiert.

Die Magie lässt sozusagen wahrheitsindifferent einen Schamanen Knochen werfen (Divination) und macht damit zufällige Ereignisse durch die Autorität des Schamanen sozial wirksam. Test und Prüfung von Auslegugnen waren Sache des Schamanen. Widerspruch stellte sofort die Autorität des Schamanen in Frage zu stellen.

Die Hochkulturen generalisieren die Autorität des Schamanen und tauschen die Person Schamane gegen eine Idee Götter/Gott. Der Bezug auf eine Idee macht die Funktion des Schamanen sozusagen personenunabhängig. Die größere Reichweite der Schrift macht das letztlich nötig. Der Schamane kann nicht mehr überall vor Ort sein, wo die Autorität seiner Magie gebraucht wird. Das unterminiert seine Autorität, die sich letztlich aus dem von ihm angebotenen Vorteil „soziale Mobilisierbarkeit“ speist. Die Autorität der Magie verliert mit der Verbreitung von Schriften ihre Deckung in Erfüllung ihrer vornehmlichen gesellschaftlichen Funktion. Und die Verbreiter der Schriften, also die Kirchen gewinnen an sozialer Wirksamkeit. Die Verbreitung von Schriften, die sich nun auf eine Idee/Götter beziehen, ermöglicht es über die mündliche Reichweite hinaus eine Gesellschaft zu strukturieren. Und das tut die Kirche damals auch. Sie nutzt die Schrift, um zunächst mal den Bedarf für eine Organisation der Kirche zu provozieren: Sie schickt Bekehrer mit „der Schrift“ in die Welt. Und mit dem Erfolg dieser Bekehrer muss die Kirche dann mit einer von einzelnen Personen abstrahierenden Organisation reagieren. Und kann das auch, weil sie eben Schrift benutzt und nicht mehr auf die soziale/sachliche/zeitliche Enge der Mündlichkeit angewiesen ist.

Letztlich bleibt Ihre Grundlage, also „die Schrif der Schriftent“, aber unwesentlich wahrheitsindifferenter als die Knochen der Schamanen. Nichts desto trotz, bieten die differenzierteren Einschränkungen, die die Bibel vorlegt mehr spezifische und auch mehr Allgemeine Einschränkungen als die Knochen des Schamanen. Vo allem sind sie über die Personen, bzw. Zeiten rettbar. „Die Schrift“ bietet in Bezug auf zeitliche, sachliche und soziale Differenzierung sehr viel mehr Möglichkeiten und auch mehr Zuverlässigkeiten für eine Sozialität, die sich darauf einschwört. In diesem Sinne liegt der Zugewinn an Orientierungsmöglichkeiten in einer größen Gesellschaft auf der Hand. Selbst in Bezug auf Prüfung und Test der angebotenen Einschränkungen gibt es mehr Möglichkeiten. Weil nun Idee und Auslegung getrennt sind und nicht mehr in Personalunion vorliegen, kann ohne großen Legitimationsverlust für die Idee die auslegende Person leichter wechseln. Was natürlich über die Zeit zu einer anderen Dynamik von Variation und Stabilisierung bezüglich der Auslegung führt. Die Idee überlebt die Ausleger, und schon deswegen muss es zu einer Variation von Auslegungen kommen. So sicher wie das ist, so verzweifelter musste die jeweilige Inquisition im Zweifel vorgehen, um die Wirksamkeit der Kirche zu bewahren versuchen.

In dem Umfange, in dem durch die Druckerpressen die Massenproduktion von quasi beliebigen Büchern ermöglicht wird, in dem Umfange also in dem die Kirche die Kontrolle über die Schrift und deren Auslegungen verliert, in diesem Umfange verlieren die Götter Ihre beruhigende Funktion für die Gesellschaft, z.B. Normen setzen zu können.Das Vertrauen in entsprechende Vertrauensgrundlagen schwindet. So wie die Person Schamane nicht mehr vor Ort sein konnte, um Ihre Unzulänglichkeiten qua emotonal gebundener Autorität wieder einzufangen, so stößt die Idee der Götter, bzw. auch die Idee des eines Gottes dann auf ihre darstellungsgebundenen Plausibilitätsgrenzen. Grenzen, die es nicht mehr ermöglichen mit dem Sinnüberschuß, mit der Unruhe umzugehen, die letztlich die vielen und völlig verschiedenen Bücher anbieten.

So wie durch die Trennung von Idee und Ausleger, die Idee auf den Ausleger zurückgeworfen wird, so entsteht ein Druck auf den Ausleger. Die Welterklärungsfahigkeiten und damit Orientierungsmöglichkeiten der Idee von dem einen Gott ist begrenzt. Mit dem Wechsel der Ausleger und der damit verbundenen Variation der Kirche lernt der Mensch auf eine spezielle Weise mit „Der einen Idee, die alles verbindet“ umzugehen. Er lernt sich selbst zu verändern, in Abhängigkeit von einer sozialen Autorität. Er entdeckt sich als Individuum.

Die alte Lösung der Normen wird versucht und verliert auch nicht ganz ihre Bedeutung, allerdings verlieren Normen ihre orientierende Bedeutung im Hinblick auf die Unübrschaubarkeit und das Überraschungspotenzial mit dem eine Massenproduktion von quasi beliebigen Büchern konfrontiert. Auf die „Unruhe“, die so in der Umwelt des Beobachters entsteht braucht dieser flexiblere Institutionen (Erwartungserwartungserwartungen), um Vertrauens in die Bewältigung von Störungen weiter zu gewährleisten. Er muss sich selbst in gewisser Weise unruhig fassen und reagiert entsprechend auf die Unruhe, die in seiner Umwelt durch den Buchdruck auftaucht. (vgl. Baecker, D. (2007) Studien zur nächsten Gesellschaft, S. 35). Platt gesagt: Ein Bezug auf Normen der psychischen Systeme hält nicht genügend soziale Änderungs- und Anpassungskapazität vor, wie es die sozialen Systeme mit Verbreitung des Buchdrucks aber fordern. Die Gedankliche Figur des „»Cogito, ergo sum«: Was immer dir widerfährt, Angenehmes und Unangenehmes, beziehe es auf dich und sei dir darüber im Klaren, dass es dich im Moment zu dem macht, wer und was du bist, ohne dabei auszuschließen, dass dir gleich anschließend wieder etwas widerfährt, für das dasselbe gilt. “ (Baecker, D. (2007) Studien zur nächsten Gesellschaft, S. 16), diese Figur gibt, wenn man so will, genügend Spielraum, um das Gutenberguniversum sozusagen kulturell zu bearbeiten; und sich nicht von den Widersprüchlichkeiten blockieren zu lassen, sondern auf seine individuellen Plausibilitätsprüfungen zu vertrauen (Was ist Aufklärung?).

Konfrontiert mit den elektronischen Medien haben wir nun eine Kulturgeschichte des Vertrauens in unterschiedliche Kulturtechniken im Rucksack. Mit der nochmal gesteigerten Verbreitungsmöglichkeit von Inhalten und entsprechend der Zumutung ist quasi abzusehen, dass alle Kommunikation letztlich auch irgendwie computervermittelt läuft (Und sei es das die Geräte nur mithören, um auf Zuruf funktionieren zu können). Mehr oder weniger alle Kommunikation läuft auch über Computer. Wenn man - wie man das in der Soziologie allgemein machen kann - Gesellschaft quasi mit Kommunikation gleichsetzt (z.B. Luhmann), dann wird klar, dass die krux wohl nicht in der einfach noch weiter gesteigerten Verbreitungsmöglichkeit von Kopien liegt, sondern im Umgang mit den anderen, die man vorher nicht kannte und vielleicht auch nicht kennen wollte. Wie erkennt man den Klospruch? Wo erwartet man ihn? Wo findet man ihn? Was macht er in der Situation? Wie reagiert man darauf? Die besondere Herausforderung scheint mir in Zukunft auf jeden Fall einen Umgang zu finden, der die neuen „Zumutungen“ in der Sozialdimension von Sinn für die Gesellschaft nutzbar machen kann. Vielleicht werden wir in Richtung des Begriffes „Ubuntu“ fündig (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Ubuntu_(Philosophie) ). - wie Peter Kruse, Dirk Baecker und viele andere das ja auf die ein oder andere Weise andeuten.

Donnerstag, 10. November 2016

Es gibt diese merkwürdigen Interaktionen im Netz

Es kommt zum Beispiel regelmäßig vor, dass Leute ihre alten Bücher verschenken. Und nicht nur das. Sie übernehmen dafür die Versandkosten, dass das Buch auch beim Beschenkten ankommt (Bsp. Büchersendung Post: €1 oder €1,65). Das tun sie unter der Prämisse, dass derjenige, der so beschenkt wird, ebenso Bücher anbietet, die er auf diese Weise an wieder andere weitergibt. Gesehen habe ich das erstmals bei @kusanowsky und @confabulatus. Eine solche "soziale Bewegung" und sei sie noch so klein ist schlichtweg genial und einfach zu Lobpreisen. Im Prinzip investieren die Beteiligten ja in eine Art diffuses Vertrauen in die Nächstenliebe, ... vielleicht besser gesagt: in des Nächsten Buch. Oder man sieht in den Versandkosten das ausgemünzte Vertrauen eines Schenkenden darin, dass er/sie auch irgendwann mal, bei irgendwem ein Buch findet, das sie/ihn interessiert und er/sie so auch mal "Nächster" werden kann. In beiden Fällen wird ein Verschieben von Büchern zeitlich, sachlich und sozial generalisiert möglich und dazu sehr leichtgängig gemacht. Und auch wenn Strukturen aus "Man-gibt-dem-Einen-und-nimmt-vom-Anderen-Pfaden" nicht auf Tausch angelegt sind, weil der Einzelne zunächst gibt, ohne einen bestimmten Gegenwert im Auge zu haben; so kann es sich u.U. für den Einzelnen über die Zeit wie ein "Tausch mit einem System" darstellen. Ich finde das theoretisch eine spannende Stelle.
Das Problem der Kommunikation zwischen einander Unbekannten wird in der Praxis durch Twitterprofile oder andere Social-Media-Profile als Kontaktadressen überbrückt. Aber was dieser Art von Interaktion zwischen einander Unbekannten vor allem noch sehr nützlich sein kann, das ist ein Index, in dem die Beteiligten ihre zu verschenkenden Bücher eintragen. Ein Index, der sozusagen die zeitliche, soziale und sachliche Generalisierung des Verschiebens von Büchern zwischen Gebenden und Nehmenden unterstützen und so ein Gefühl des "Tausches mit einem System" wahrscheilicher machen kann. Ein Index zum Stöbern, bei dem an jedem Buch-Eintrag ein Link zu der Social-Media-Seite des verschenkenden Benutzers zwecks Kontaktaufnahme anhängt. Als ich die Aktivitäten von @kusanowsky , @confabulatusund anderen sah, dachte ich zumindest, dass soetwas helfen könnte. So habe ich ein System, das ich mal in einem anderen Zusammenhang programmiert habe, etwas abgeändert und stelle es hiermit gern für solch ökonomisch subersive Umtriebe zur Verfügung. In diesem Sinne ist "öffentlicher-Bücherschrank.de", bzw. "öBsch.de" ein privates, nicht-kommerzielles Projekt zur Förderung der Kooperation zwischen einander unbekannten.
Ich hatte die Freude mit @adloquii im #KZU-Podcast darüber zu sprechen.

Dienstag, 11. Oktober 2016

Worte waren mal leer

Wir alle wissen, wie man beliebige, zur Not selbsterfundene Worte als Bezeichnungen für etwas bestimmtes erfinden kann. Ein zunächst noch inhaltsleeres, also völlig offenes Geräusch oder Zeichen kann, im gemeinsamen, wiederholt vollzogenem Bezug auf etwas, seine ersten Freiheitsgrade verlieren und Bezeichnung für Etwas im Unterschied zu allem anderen werden.

Zwei oder mehr Beobachter, die ein solches Wortspiel spielen, die können nun etwas beobachten, wenn Sie die Bezeichnung nicht nur im Kopf behalten, sondern ab sofort im Bezug auf etwas nun Bestimmtes über die Situationen hinweg verwenden. Es kann z.B. beobachtet werden, dass die Freiheitsgrade der Verwendung von Bezeichnungen über die gemeinsame Geschichte hinweg zunächst weniger werden. In den jeweiligen Verwendungen gibt es sozusagen semantische Verfransungen an den Rändern. Das "Etwas" wird im Fortgang nicht nur unterschieden, von allem anderen auf einmal, sondern von bestimmten anderen Unterscheidungen und so spezifiziert sich eine ursprüngliche Generalisierung in einer Erlebens- und Erwartensgeschichte. Allerdings bleibt die andere Richtung, die Re-Generalsierung immer wieder möglich. Und so kann man Kommunikation auch als das Bearbeiten einer Differenz von Generalisierungen und Spezifizierungen von Unterscheidungen in einer gemeinsamen Geschichte beobachten. Die kommunizierenden Beobachter können so mit ihren Generalisierungen und Spezifizierungen Erfahrungen sammeln. Sie können lernen, bzw. sich überraschen lassen. Sie können sich damit sozusagen die Beulen an ihrer Wirklichkeit zuziehen.

Worte waren mal leer, ist strenggenommen also falsch (Aber es klingt gerade als Titel einfach so gut), ausser mit dem wenig weiterführenden Zusatz: "... bevor es Worte waren, sondern noch bloß Geräusche". Direkt mit Ihrer Einführung als Bezeichnung handelt "es" sich um Worte, die Zumindest schon mal "Etwas" von "Allem anderen" unterscheiden, also strenggenommen nicht ganz leer sind (weil sie mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit schon weitere Verwendungsmöglichkeiten einschränken).

Wir können uns also an unterschiedlichen Bezeichnungen und ihren Verwendungsweisen in Situationen orientieren und gemeinsam mit entsprechend aufgeladenen Bezeichnungen fka Begriffen Erfahrungen vergleichen. Das ist gut. Weil wir so unabhängig von irgendeinem Wahrheitsgehalt einer Aussage irgendwie beginnen können und uns daraufhin dann überraschen lassen können zu lernen. Problematisch, bzw. anspruchsvoll wird, dass wir das dann auch in zunehmendem Maße müssen. Wie wir mit Überraschungen, also Erwartungsenttäuschungen, oder noch anders gesagt: mit informativen Momenten umgehen unterscheidet sich. Einmal können wir Begriffe vor dem Hintergrund normativer Annahmen aufbauen. Dann wird sozusagen ggf. trotz ständiger Erwartungesenttäuschung in Bezug auf bestimmte Begriffe "stur weitergewunken". Wenn man so will: ein kontra-faktischer Ansatz. Oder wir können angesichts von Erwartungsentäuschungen die Verwendung unserer Begriffe ändern, wir können unsere Erwartungen vor dem Hintergrund einer "offenen Wahrheit", bzw. einer offenen Zukunft anpassen und bestenfalls präsizieren.

Das Verhältnis zwischen Begriffen, bzw. die Einschränkung ihrer Verwendung mit dem man "Alles andere" differenziert - fka eine Theorie über Etwas - ist sozusagen über unsere Kommunikation eigenen Erlebens überindividuell umweltsensibel. Und ob wir eher normativ oder kognitiv reagieren, dass weiß in der jeweiligen Situation der Geier. Das finde ich bei allem begründbaren Pessimismus, eine relativ positiv stimmende Tatsache.

Freitag, 18. März 2016

Das Gerede von Überbevölkerung ist reaktionärer Mist

Angesichts der riesigen, ja gewaltigen unbewohnten, aber theoretisch bewohnbaren Flächen auf dem Globus und der menschlichen Wirtschaftskraft im allgemeinen, bereiten mir Leute die von globaler Überbevölkerung, bzw. einer zukünftigen Überbevölkerung sprechen mehr und mehr unbehagen. Es geht im Prinzip nicht um Überbevölkerung, sondern, wenn überhaupt kann ich das nur als Ansage verstehen, dass man keine Möglichkeiten sieht vorhandene Ressourcen so zu nutzen, dass sie allen dienen können. Flächen lieber leerstehen, Wirtschaftskraft lieber weiter konsumorientiert auf individuelle Kurzzeitbefriedigung anlegen. Nicht das die des Teufels wäre, aber Ihr wisst was ich meine. Und man sieht offensichtlich keinen Anlass die Perspektive auf Politik zu verändern, die da ist: Im wesentlichen hat Politik die Interessenvertretung der Banken und Industrie sicherzustellen, weil wir letztlich doch alle abhängige dieser Versorger sind. Und machen wir uns nichts vor. Auch die Kritiker des Systems haben keinen vernünftigen Plan wie es an wichtigen Stellen weitergehen könnte, ohne die gesellschaftlichen, organisatorischen, rituellen Artefakte einer lange vergangenen Zeit, die letztlich unsere Kultur und unser Denken bis heute prägen. Aber die Kritiker wissen schon, dass es weitergeht, ja weitergehen muss. Wie auch immer, ich verfaser mich. Es geht mir darum zu sagen wie primitiv, ja gemeingefährlich primitiv das Gerede von Überbevölkerung und seinen „Das Boot ist voll“-Derivaten ist. Das Boot ist weder voll, noch die Erde davor zu viele Menschen zu beherbergen. Aus der Google Earth Perspektive wird das schnell als reaktionärer Way-of-Live-Shice deutlich. Der Mensch ist letztlich einfach zu wenig darauf vorbereitet, dass bummelig 1% erfolgreiche Psycho-, bzw. Soziopathen unter Ihnen weilen, die erfolgreich wichtige Machtpositionen infiltrieren und da ihren Bullshit verzapfen (Bullshit auch weil sie nicht nur "böse", sondern wichtiger noch Intellektuell … sagen wir mal nicht die bestmögliche Besetzung sind. Machtpositionen ziehem spezielle Profile an). Nun haben wir gottseidank noch einen entwickelten Rechtsstaat, der genau gegen diese Risiken Grundrechte, Verfahrenregeln, Schutzrechte, usw. an den Start bringt. Der Rechtsstaat verdächtigt sich im Prinzip ja institutionell quasi ständig selbst und stellt z.B. in bestimmten Dingen bestimmte Transparenzen ein. Menschen haben viel gelernt in Ihrer Geschichte. Zu unserer Entmutigung muss man aber dazu auch sagen: sie haben noch viel viel mehr vergessen. Und in Bezug auf bestimmtes, wesentliches Wissen, um des Rechtsstaats, der Demokratie, pipapo steht es momentan scheinbar eher schlecht. In dem Sinne z.B., dass es im wesentlichen oft als mehr oder weniger überflüssige, bzw. hinderliche Folklore verstanden wird. Die Funktion, in Bezug auf die gesellschaftlich-strukturelle Funktion wird einfach ausgelassen, bzw. auf gut/schlecht Positionen verkürzt. Relativ einfaches aber dennoch voraussetzungsreiches Wissen über z.B. die Funktion von Freiheit in einem demokraischen Rechtsstaats scheint sich weit, bis ins unkenntliche abgedimmt zu haben. Nicht einmal das Gefühl, was man als Mensch tut, wenn ein anderer Mensch Hilfe braucht scheint allzu zuverlässig erwartbar zu sein. Menschenleben werden geopfert, um eine Ökonomie und deren Lebenswelten am Laufen zu halten. Bingo Leute, es sieht richtig scheiße aus. Die Welt ist doch kein Waldorfkindergarten, man.

Denkt vielleicht das nächste Mal wenn Ihr jemanden von Überbevölkerung sprechen hört daran, dass das sehr relativ und perspektivisch formuliert ist. Und zwar aus einer Perspektive, die sehr wenig Fantasie hat. Eine Perspektive, die nicht sehen kann, dass es psycho-soziale Probleme sind, die uns letztlich am meisten bedrohen. Ja, z.B. die realen Hungertoten jeden Tag, die werden im Prinzip ermordet. Von der Art und Weise, wie wir als MEnschen so drauf sind. Wer von Überbevölkerung spricht, das muss man so sagen, der impliziert im Prinzip auf die eine oder andere Weise: "Es gibt überschüssige Menschen, weil unser System eben so ist wie es ist. Nicht das System ist falsch, die Menschen sind über" Bin ich der einzige, dem das nicht nur komisch, sondern oberfaschistoid vorkommt? Ist es nicht zu tiefst deprimierend zu sehen wie dieser BEgriff aufgenommen wird, wenn man doch sehen kann, dass es nicht die Wirtschaftskraft ist an der es fehlt und es fehlt auch nicht an Landmassen, bzw. das kein Raum mehr da wäre, der nicht besiedelt werden könnte. Ja, nicht einmal geht es um zu wenig Süßwasser. Beim Süßwasser wird der ein oder andere jetzt vielleicht gezuckt haben, weil er insgeheim doch sich hat überzeugen lassen, das davon nun wirklich zu wenig für alle da ist. Aber auch das. Mit gegebener Technik, gegebener Wirtschaftskraft und gegebener Eingeübtheit der Menschen in organisationale Prozesse auch das ist insofern heute kein Problem. Wir können halt nicht so weiter machen wie bisher …. und sollten vielleicht hier und da mal die Augen aufmachen. Letztlich scheinen wir den harten Aufschlag des schon lange auf uns zukommenden gesellschaftlichen Problems wirklich zu brauchen, um als Gesellschaft eine gewisse Fantasie und Veränderungsbereitschaft zu entwickeln die vorhandenen Mittel einfach mal anders einzusetzen und dabei als GEsellschaft ein anderes Bewusstsein zu entwickeln. Also freut Euch drauf. Mit den Möglichkeiten heute kann es sehr sehr viel besser für alle werden. Letztlich weiß ich vieles natürlich nicht. Aber was ich weiss ist: Bestimmte Probleme - und dazu gehören die wichtigsten - gibt es nur in unseren Köpfen.

- update: 20.03.2016

Gerade habe ich eine Reaktion auf meinen Text auf Twitter gelesen:
"genau, lasst uns zugunsten der Menschen auch noch die letzten Biotope vernichten :(" https://twitter.com/katrinhilger/status/711437102735618048
.... ich will das einfach mal so stehen und wirken lassen. Nicht das mir nicht klar ist, dass es keine Lösung für das oben angedeutete Problem gibt. Aber, dass das Problem sozusagen ein kulturelles Problem ist und kein naturgesetzliches, das kann man wohl nicht leugnen. Natürlich ploppen bei der Problemstellung abertausende Gründe auf, warum es naiv ist zu sagen: Es gibt genügend Platz und Wirtschaftskraft, bzw. Technologie auf dem Planeten, dass kein Mensch leiden müsste. Aber alle Gründe betreffen uns als Spezies und werfen ein Schlaglicht darauf wie wir miteinander umgehen und was wir voneinander halten, pathetisch formuliert: welche Werte wir preferieren. Der Kommentar eben sagt z.B.: "Ok, es kann nicht sein, dass wir den Naturschutz riskieren für ...". Und so sind natürlich unzählige Kommentare möglich. "Es kann nicht sein, dass wir die Organisation unserer Wirtschaft oder Politik ändern, für ...", "Es geht einfach nicht, weil der Mensch an sich einfach zu schlecht ist", "Es geht nicht, weil der Planet oder die Atmosphäre ist zu klein...." Unendliche Formulierungen sind möglich, aber alle sagen nichts über den Planeten oder über die tatsächliche und defakto vorliegende Leistungsfähigkeit der Menschen, sondern unterstellen, dass die erbrachten gesellschaftlichen Leistungen (Brötchen, Rechner, Sozialversicherungen, Materialwissenschaften, Ingeneurtum, Kreativität, Lebensqualität...) letztlich nur möglich sind, in einem System das wirtschaftlich und politisch eben so ist wie es ist. Und das halte ich eben für reaktionär. Auch wenn es richtig wäre, dass es eben nur so geht, wie es eben heute geht; auch dann würde es nur eine Aussage über den Homo Sapiens sein, nicht über seinen Planeten. Als letztes Gedankenexperiment kann man sich noch einen Ausserirdische vorstellen, der bei uns vorbeifliegt und mal kurz checkt was hier Phase ist. Was würden der sehen? Der würde mehr oder weniger bröcklige Inseln von Wohlstand sehen, deren Luxus sich auf der krassen Ignoranz gegenüber anderen Menschen/Tieren in anderen Teilen des Planten baut. Auf der einen Seite eine durch Krieg und Moral gestützte und rücksichtslose Überschuss und Konsum-, bzw. Wegwerfgesellschaft und auf der anderen eben dadurch destabilisierte, wirtschaftlich und politisch geknebelte Gesellschaften und verhungernde und oder im elebend lebende Menschen.
Was wird der denken? Es ist nicht unwahrscheinlich, dass er Mitleid empfinden wird. Mitleid mit einem Primaten, dessen individuelle kognitive und reflektive Leistungen, seinem sozialen Vermögen und vor allem seiner Selbsteinschätzung dramatisch und auf vollends abwegigem Terrain hinterherhinken. So dramatisch, das er sich und andere auf dem Planeten als künftige Spezies nachhaltig schädigt.

Samstag, 31. Oktober 2015

Macht, Selbstorganisation und selbsterfüllende Prophezeiungen

Der Mensch hat seine Geschichte schon immer gemacht, er hat sie bloss noch nicht bewusst gemacht. (vgl. Rudi Dutschke: https://youtu.be/U6X-ZeYC54E?t=9m52s )

Wenn man nun davon ausgeht und das tue ich auch. Dann kann man sich die Frage stellen, welchen Unterschied es macht, wenn z.B. davon ausgegangen wird, das dem nicht so ist. Angenommen es wird weitläufig davon ausgegangen, dass die Geschichte (also Entscheidungen über die Richtungen in die die Gesellschaft sich bewegt) nicht von der Gesellschaft selbst und mehr oder weniger insgesamt, sondern von wenigen, einzelnen Menschen bestimmt gehören, denen man nur genug Macht geben muss. Damit es eben "richtig" weitergeht. Diese Grundidee zieht sich von Platons Philosophenkönigen bis in die heutige Zeit durch und zwar in den verschiedensten Formen und Farben. Manche gehen davon aus, das Menschen es zwar könnten, aber von dezentralen Entscheidungsgrundagen lieber die Finger lassen sollten. Und andere sehen schlicht eine Notwendigkeit in zentralen Entscheidungen, weil es garnicht anders ginge, als durch den heldenhaften Leader und seinen Jüngern. Diese Idee ist nicht nur verbreitet unter denen, die Einfluss ausüben möchten, um zu gestalten. Sondern diese Idee ist insbesondere verbreitet unter denen, die sozusagen die Einflussnehmer tragen, indem sie zustimmend, bzw. tolerierend Entscheidungen abnehmen lassen; nämlich die Menschen insgesamt.

Ganz offensichtlich scheint: eine derartige Vorstellung in einer entsprechenden Verbreitung wirkt als selbstverwirklichende Prophezeiung. Es wird erwartet, dass der Mensch geführt werden muss. Deswegen werden entsprechende Mittel gewählt und dann wird er auch geführt werden. Wie solche Passivhaltungen auch komfortabel sein können sieht man wohl ganz gut in Deutschland. Man gibt sich grossflächig damit zufrieden, dass man Instanzen sieht, denen man Schuld zuschreiben kann; nachdem man sich eine hiesige Talkshow ansah. diese Passivhaltung, dass andere die Gesellschaft bewegen sollten, um sie besser zu machen ist eine Haltung, die sozusagen die kognitive Dissonanz zwischen Kommunikation, bzw. Erwartungen auf der einen Seite und dem konkreten eigenen Handeln auf der anderen Seite überbrückt. Durch Schuldzuweisung wird quasi die Frage nach der eigenen Verantwortung getilgt.
In diesem Sinne hat eben auch jede Gesellschaft die Regierung, die es verdient.

Das hat der Rudi alles verstanden und entsprechend spricht er von dem, die Politik tragenden, Bewusstsein, bzw. der Reflexionsfähigkeit in der Gesellschaft. Die Grundidee der Selbstorganisation ist noch heute, insbesondere in der Politik nicht wirklich angekommen.

Die Ideen dazu, die heute an den Rändern der Sozialwissenschaften in einer geradezu entzückenden Weise sich weiter entwickeln, die liegen brach. Ausser vielleicht um hier und da eine rhetorische Pointe abzurunden und dabei klug zu erscheinen oder um in einer falschen und verzerrenden Weise "Totschlagargumente" zu konfabulieren, die kurzfristig eine gewisse diskursive Duldungsstarre provozieren können.

Insgesamt scheint die Rationalität nicht verstanden, dass wir als Gesellschaft uns keine zentralen Entscheidungspunkte vom Typus vergangener Zeiten mehr leisten können. Nicht nur weil die schlicht nicht leistungsfähig genug sind, sondern weil sie als Lösung das Problem sind. Bei einem weltgesellschaftlichen Differenzierungsgrad, liegt der Verdacht (auf jeden Fall der Wunsch) nahe, dass zukünftige Soziologen sagen werden: Das (also heute) war so grob die Zeit, in der die Menschen sozusagen durch ihre vorweglaufenden Handlungen eine derartige Komplexität aufbauten, mit der sie sich selbst schließlich zu einem drigend nötig gewordenen Selbstbewusstheit forcierten, immer, in jedem Moment und sozusagen in jeder noch so kleinen Situation mitverantwortlich zu sein.

Ich freue mich über "Aufklärer" wie Rudi Dutschke, bin aber heute skeptisch, dass man Gesellschaft insgesamt über Aufklärungsversuche spezifisch beeinflussen kann; nichts desto trotz bin ich nicht weniger optimistisch geworden, weil man sehen kann, dass Menschen insgesamt sich sozusagen entlag selbsterzeugter Probleme entwickeln, bisher aber eben dabei noch so tun als sei dem nicht so. Aber ich bin sicher, dass Grundideen der Selbstorganisation letztlich selbstevident plausibel sind, sich auf Dauer durchsetzen gegenüber Ideen, die auf dem Prinzip Führer/Geführte aufbauen.

Wenn man nicht sooo an den Fortschritt durch Aufklärung glaubt, also daran glaubt, dass Gesellschaft sich sinnvoll im voraus bewegen kann, um ihre Krisen durch Prophylaxis zu umgehen. Sondern wenn man mehr davon ausgeht, dass Gesellschaft sozusagen die Probleme erst selbst erzeugen muss, an denen sie dann später die Chance bekommt zu lernen, dann erwartet man zumindest nicht ohne weiteres schmerzfreie Verbesserungen. Insbesondere, wenn z.B. die unterkomplexe Idee des Prinzips Führer/Geführte vor die Wand fährt, dann kann man jetzt schon gut die vermehrten "naiven" Reaktionen vorstellen (Die man ja jetzt auch schon sieht). Etwas funktoniert in der Gesellschaft nicht wie gewünscht, wo ist das Problem? Es gibt Instanzen, die einfach noch nicht genügend Macht haben. Das Problem wird nicht Strukturell gesehen, sondern an individuellen, persönlichen Defiziten, ggf Machtdefiziten festgemacht. Und die von Watzlawick so unterhaltsam beschriebene Lösung des Mehr-des-selben ist gerade für dieses Problem der Organisation in der Gesellschaft besonders vorhersehbar und leider auch alle Probleme, die sich dadurch ergeben und auch noch ergeben werden.

Samstag, 10. Oktober 2015

Die Freuden des Musik machens. Erklärt für nicht Musik Machende.

Musik machen jenseits von reich, schön und berühmt werden ist eigentlich sowas ähnliches wie die Freude beim Egoshooter im Multiplayermodus spielen (nur viel geiler). Im Prinzip spielt man entweder alleine, mit sich selbst als vergangenes Ich (Aufnahme) oder eben live mit anderen, in einer oder mehrerer Tonarten herum. Man baut sich quasi ein Level, indem man sich eine Tonart aussucht und in dieser mit ein paar Akkorden ein Terrain aufmacht. Dann schnappt man sich eine Knarre/Instrument und erkundet das Terrain, indem man ein paar Tonleitern auslegt und guckt wo welcher Ton hübsch klingt.

Das Wesentliche dabei ist weitestgehend unvoreingenommen und ergebnisoffen etwas zu spielen, um sich daraufhin zu fragen: Was will als nächstes dazu gespielt werden. Man nimmt sich sozusagen selbst ein paar Akkorde auf und beobachtet sich beim Abhören quasi als vergangenes anderes Ich und kann dann weiter dazu entwas spielen.
Sobald man schon eine einfache Melodie über ein paar Akkorde legt, entsteht sofort etwas das grösser ist als beides für sich erahnen liess. Das erkennt man gut daran dass es überrascht. Und solche Überraschungen gilt es während des Spielens zu provozieren, um dann direkt darauf zu reagieren. Nicht nur die aufgenommenen Akkorde betrachtet man dann als überraschend "fremdgespielt", sondern beim Suchen nach neuen Melodien kann man das nach jeden gespielten Ton machen. So kann man etwas spielen, dass man selbst nicht vorhersehen konnte. Es ist möglich sich selbst zu überraschen.

Letztlich geht man bei diesem iterativen Tun seiner Intuition hinterher.
Man spielt etwas und distanziert sich gleichzeitig davon so sehr, dass man sich der Idee hingibt: Das was da gerade klingt möchte einem etwas sagen und möchte auf eine bestimmte Weise fortgeführt werden. Wenn man Glück hat entstehen diese Momente, der Selbstillusionierung. Und ähnlich wie man Figuren in Wolken gucken kann, so kann man auch Melodien spontan in mehr oder weniger Zufallsmuster hineinerwarten. Früher habe ich mit meinem Sohn manchmal ein Malspiel gespielt: Wechselseitig malt einer einen geraden oder nicht geraden Strich und der andere muss daraufhin den Strich mit einem anderen Strich fortführen. Es entstehen dann überraschende Formen. Ähnliches ist auch in der Musik möglich.

Abschließend sei nochmal bestätigt, wie Ihr vielleicht in den letzten Absätzen bemerkt habt, dass Musik machen eigentlich garnichts mit Egoshooter spielen zu tun hat. Ich brauchte nur das Bild, um Euch in Richtung auf die Idee zu bringen in einem virtuellen Raum herumzu laufen. Denn das ist Musik auch: Virtueller Raum. Es ist ein Raum mit unendlich vielen Möglichkeiten und es fühlt sich äusserst schön an schon kleine Stück aus den unendlichen Weiten des Klangreichs herausbrechen und eine eigene kleine Melodie, ein eigenes kleines Thema raufmalen zu können. In diesem Sinne sei das hier als Aufruf verstanden sich mit einem Instrument zu befassen, wenn man das eigentlich immer schon machen wollte, nur davor zurückschreckte, weil andere das schon viel besser können oder man selbst schon zu alt sei; Das ist kein Argument. Zumindest nicht wenn es um Spaß haben geht. Die einfachsten Dinge klingen schön. Und heutzutage ist es so einfach und megabillig geworden mit der Kiste vor der ihr gerade sitzt Mehrspuraufnahmen zu machen. Glaubt mir: macht es einfach, lasst Euch darauf ein. Und habe ein bischn Spaß. Man muss ein Instument nicht beherrschen, man muss nur seinen Weg finden etwas da rauszuholen, das einem Spaß macht. So einfach ist das.